Kolik beim Pferd: welche Kräuter können helfen?

Kräuter werden schon seit Urzeiten bei Verdauungsstörungen eingesetzt. Und noch bevor der Mensch die Kräuter für sich entdeckte, wussten die Tiere bereits, welches Kraut sie wann zu sich nehmen mussten. Kräuter gehören außerdem zur artgerechten Ernährung des Pferdes wesentlich dazu – was einer der Gründe sein mag, warum sie gerade bei Pferden und Ponys so unheimlich gut wirken. Mit Kräutern können Sie sowohl Koliken vorbeugen als auch behandeln – und auch im Akutfall können Kräuterkonzentrate wie z.B. Colosan extrem hilfreich sein und sollten immer Bestandteil der Stallapotheke sein! Wichtig ist auf eine sehr gute Qualität der Kräuter und eine sinnvolle Zusammenstellung zu achten.

Pflanzen / Kräuter im Kolik-Akutfall

Für den Akutfall einer Kolik sollten Sie immer ein Pflanzen-Konzentrat da haben, da dieses besonders schnell und tiefgreifend wirkt. Wir haben hier sehr gute Erfahrungen mit Coloson gemacht, es gibt aber auch andere Konzentrate.  Dieses können Sie eingeben, sobald Sie erste Anzeichen einer Kolik bemerken. (Rufen Sie zuvor aber bitte den Tierarzt an.)

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Kräuter bei andauernden Verdauungsproblemen

Selten kommen Koliken aus dem Nichts, sondern sind meist Folge (oft unbemerkter) sich nach und nach immer mehr aufbauender Störungen, die dann in einer Kolik gipfeln. Eine artgerechte Fütterung verhilft dazu, dass der Verdauungstrakt gesund ist und die Kolikgefahr erheblich minimiert wird. Da Kräuter zum Nahrungsspektrum des Wildpferdes natürlicherweise dazu gehören und sich der Verdauungstrakt des domestizierten Pferdes nicht wesentlich vom Wildpferd unterscheidet, sollten Kräuter immer Bestandteil einer artgerechten Pferdefütterung sein – besonders aber bei Pferden, die zu Koliken tendieren. Denn Kräuter sind sehr gut im Verdauungsbereich: Sie können Blähungen und Krämpfe lindern, Schleimhauterkrankungen ausheilen, den pH-Wert ausgleichen, eine gestörte Darmflora sanieren, die Verdauung ankurbeln, die Durchblutung steigern und so weiter.

Damit Kräuter bei Kolik allerdings hilfreich sind, sollten Sie beim Kauf unbedingt auf die Qualitätsstufe achten: Nur ausgewiesene Arzneibuch-Qualität gewährleistet einen Mindestwirkstoffgehalt (ist natürlich aber auch teurer als Kräuter minderer Qualitätsstufen).
Weiterhin ist die Verarbeitungsform relevant: Je gröber ein Kraut geschnitten ist, desto mehr Wirkstoffe sind vorhanden. Je stärker ein Kraut verarbeitet wird (z.B. zum Pulver gemahlen) desto mehr Wirkstoffe gehen bei diesem Prozess verloren.

Wenn Sie alle Wirkstoffe eines Krautes kennen und damit auch das Potenzial an unerwünschten Wirkungen, können Sie die Kräuter individuell auf Ihr Pferd zusammenstellen. Wenn Sie kein Fachmann sind auf dem Gebiet, sollten Sie sich beim Experten beraten lassen und dort auch kaufen. Sonst können Sie plötzlich einen Effekt erreichen, den Sie gar nicht gewünscht haben.

  • Kümmel, Fenchel, Anis
    sind blähungswidrige Kräuter, die vorhandene Blähungen ableiten und den Druckschmerz verringern, der durch Blähungen entsteht. Hierbei ist Kümmel das am stärksten wirkende und Anis das am schwächsten wirkende Kraut. Anis kann Allergien auslösen.
    Alle drei Kräuter kurbeln die Verdauungstätigkeit an, was zu dünnerem Kot führen kann.
  • Pfefferminze
    wirkt verdauungsanregend, indem es u.a. die Bildung von Magensäure stimuliert und den Gallenfluss fördert, aber auch wunderbar abkühlend und beruhigend. Pfefferminze ist ebenfalls blähungswidrig und lindert Krämpfe und Schmerzen.
  • Kamille
    beruhigt den Verdauungstrakt ungemein, heilt die Schleimhäute, lindert Entzündungen & Reize, löst Krämpfe und Blähungen und wirkt antibakteriell. Solange keine Allergie besteht, ist Kamille ein fester Bestandteil von Kräutermischungen  für den Verdauungstrakt.
  • Melisse
    ist beruhigend, blähungswidrig und krampflösend. Melisse ist das Mildeste aller Magen-Darm-Kräuter. Besonders gut bei Verdauungsbeschwerden aufgrund von Nervosität und Stress. Allerdings darf ihr Einfluss auf das Hormonsystem nicht vergessen werden.
  • Löwenzahn
    hilft bei Störungen des Gallenflusses und regt die Verdauung an. Es sollten aber immer Kraut- und Wurzel gefüttert werden, da unterschiedliche Bestandteile des Löwenzahns unterschiedliche Wirkungsschwerpunkte haben
  • Bittermittel wie Enzian, Artischocke, Tausendgüldenkraut etc.
    sind mit Vorsicht zu füttern, da Bitterstoffe bei Krankheiten der Magenschleimhäute zusätzlich reizen könnten. In Maßen können Bitterstoffe bei gesunder Magenschleimhaut die Verdauung fördern, die ph Werte und die Darmflora normalisieren, Bakterien eliminieren etc
  • Algen
    Algen wie z.B. die Ascophyllum nodosum sind nicht nur ein wunderbarer Nährstofflieferant, sondern können auch eine gestörte Darmflora wieder ins Lot bringen (allerdings immer in Kombination mit anderen Kräutern).
  • Schleimbildende Pflanzen
    wie Leinsamen, Flohsamen, Eibischwurzel, Malvenblätter und Island / Irland Moos kleiden gereizte, entzündete und erkrankte Schleimhäute mit einem schützenden Schleim aus, sodass keine schädigenden Reizen mehr heran kommen und die Schleimhäute darunter abheilen können. Da aber Nährstoffe, Wirkstoffe etc über die Schleimhäute aufgenommen werden, dürfen diese Pflanze nicht mit einem Mineralfutter, anderen Kräutern, Futterergänzungen, Medikamenten etc zusammen gegeben werden, sondern frühestens 2 Stunden später – am besten zu einer anderen Mahlzeit – und auch nicht länger als 4 Wochen am Stück.
  • Süßholzwurzel
    Ist DAS Kraut bei Magengeschwüren und Gastritis. Es sollte allerdings nicht länger als 4 Wochen am Stück gegeben werden, da die Süße der Wurzel die Zähne angreifen kann.
  • Und viele mehr

Kräuter sollten immer als Ganzes Verfüttert werden. Nur der Tee enthält viel zu wenige Wirkstoffe. Die Kombination hingegen – also die Verfütterung als Sud: Teewasser + Kräuter – macht die meisten Kräuter noch effektiver. Schleimbildende Pflanzen sind hiervon ausgenommen. Diese müssen besonders zubereitet werden, damit sich der Schleim löst.

Quellen / verwendete Literatur

  • Bender, Ingolf (2000): Praxishandbuch Pferdefütterung. Stuttgart: Kosmos Verlag.
  • Blobel, Karl (2010):Telefoninterview mit Dr. Karl Blobel, Tierarzt in Ahrensburg, am 18. Mai 2011
  • Bührer-Lucke, Gisa (2010): Expedition Pferdekörper. Stuttgart: Kosmos Verlag.
  • Fritz, Christina (2012): Pferde fit füttern: Wie ich mein Pferd artgerecht ernähre. Schwarzenbek: Cadmos Verlag.
  • Meyer, Helmut und Coenen, Manfred (2002): Pferdefütterung. 4., erweiterte und aktualisierte Auflage. Berlin: Parey Buchverlag.
  • Rasch, Konstanze (2010) : Diagnose Hufrehe. Stuttgart: Müller Rüschlikon Verlag.
  • Schmidt, Romo und Häusler-Naumburger, Ulrike und Dübbert, Thomas (2002): Hufrehe. Vermeidung – Früherkennung – Heilung. Cham: Müller Rüschlikon Verlag.
  • The Laminitis Trust: http://www.laminitis.org/
  • Vervuert, Ingrid (2010): Telefoninterview mit Dr. Ingrid Vervuert, Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diäthetik der Veterinärmedizinischen Universität Leipzig am 19. Mai 2011.
  • Eigene Erfahrungen, Erfahrungen anderer Pferdehalter

Haftungsausschluss

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit und repräsentiert nur die der Autoren zum Zeitpunkt des Verfassens bekannten Methoden, Vermutungen und Fakten, und entbindet den Tierhalter weder von seiner Verantwortung seinem Tier gegenüber noch von seiner Pflicht, bei einem Veterinärmediziner vorstellig zu werden und sich eine Fachmeinung einzuholen. Wir übernehmen keinerlei Haftung.

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