Kolik beim Pferd mit Kräutern vorbeugen: geht das?

Kräuter sind natürlicher Bestandteil der Ernährung des Pferdes. In freier Natur suchen sich die Pferde die Kräuter, die ihnen guttun und gleichzeitig das Spektrum an Nährstoffen und Wirkstoffen haben, die sie brauchen. Diese Möglichkeit haben domestizierte Pferde in menschlicher Obhut kaum noch, denn unsere Weiden sind zu einem großen Teil inzwischen sehr kräuterarm. Gerade bei Erkrankungen des Verdauungstraktes wie der Kolik können Kräuter sehr hilfreich sein – sowohl zur Behandlung als auch zur Vorbeugung von Koliken.

Stoffwechselfördernde Kräuter zur Kolik-Prophylaxe

Die Umweltgifte, denen leider auch oft unsere Pferde ausgesetzt sind, sowie belastete und nicht-artgerechte Futtermittel führen zu einer negativen Veränderung der Verdauung und in der Folge zu einer vermehrten Aufnahme von Giftstoffen, was wiederum den Stoffwechsel belastet und stark verlangsamen kann. Hinweise auf einen gestörten Stoffwechsel können z.B. sein Kotwasser, angelaufene Beine, wenig Hornwachstum bzw. zu weiche oder brüchige Hufe, weiße Stichelhaare im Fell, Müdigkeit etc.

Den Stoffwechsel kann man am besten anregen, indem man die Entgiftungsorgane stärkt und sie gleichzeitig dazu animiert, vermehrt Giftstoffe zu verarbeiten bzw. auszuleiten. Hierzu nehmen Sie entweder eine fertige Entgiftungs- und Stoffwechsel-Mischung oder einzelne Kräuter wie:

Leber-Kräuter:       
Mariendistelsamen, Artischockenblätter, Schafgarbenkraut,…
Nieren-Kräuter:     
Brennnesselblätter, Goldrutenkraut, Löwenzahnkraut, Birkenblätter,…
Lungen-Kräuter:    
Thymian, Süßholzwurzel, Spitzwegerich,…
Darm-entgiftende-Kräuter:         
Kümmel, Fenchel, Pfefferminze, Enzian, …
Haut-Kräuter:         
Stiefmütterchenkraut, Brennnesselblätter, Ringelblumenblüten
Allgemeine Stoffwechselkräuter:         
Stiefmütterchenkraut, Gänseblümchen, …

Kräuter für die Darmsanierung zur Kolik-Vorbeugung

Die folgenden Kräuter sollten Sie aber wirklich nur verwenden, wenn Ihr Pferd oder Pony eine verschobene Darmflora hat, denn manche von Ihnen können einen empfindlichen Magen reizen. Ob die Darmflora Ihres Pferdes in Ordnung ist oder nicht, können Sie durch eine Kotprobe leicht feststellen. Hierzu lassen Sie einfach die Bakterien, Pilze und den pH-Wert untersuchen. Labore in Ihrer Nähe finden Sie im Internet. Die Kosten sind nicht hoch.

Mögliche darmsanierende Kräuter und Naturstoffe:

  • Knoblauch , Kapuzinerkresse oder Meerrettich
  • Ingwer
  • Enzian, Beifuß (vorsichtig: allergen!), Alant oder Löwenzahnwurzel
  • Kümmel
  • Süßholz, Salbei
  • Alge ascophyllum nodosum
  • + potenzielle Nebenwirkungen abfangende Pflanzen

Bitte mischen Sie diese nicht selbst, wenn Sie nicht wirklich gut über die enthaltenen Wirkstoffe, die möglichen Neben- und Wechselwirkungen und die Dosierung des Einzelkrauts in der Mischung Bescheid wissen. Am sichersten ist, Sie kaufen sich eine fertige Darmflora-Mischung und lassen sich zusätzlich vom Hersteller / Kräuterexperten beraten.

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Kräuter die typischen Kolik-Symptomen vorbeugen

Wenn Pferde (noch) dazu tendieren, ab und an eine Kolik auszubilden, ist es sinnvoll, den entsprechenden Symptomen vorzubeugen. Bitte bedenken Sie, dass Kräuter nur kurweise gegeben werden sollten. Wenn Sie aber das Gefühl haben, dass gerade eine Kolik-gefährliche Zeit ansteht, können Sie die folgenden Kräuter vorbeugend geben oder einen Experten um Rat fragen:

Blähungen vorbeugen: Kümmel, Fenchel, Anis, Pfefferminze,…
Kümmel ist das am stärksten wirkende blähungswidrige Kraut und scheint auch vom Magen am besten verträglich. Außerdem eliminiert Kümmel Hefepilze im Darm. Fenchel kann ggf. einem Gastritis-Magen nicht ganz so gut bekommen. Anis ist wenig wirksam und kann außerdem Allergien auslösen bzw. bei Allergikern problematisch sein. Pfefferminze wirkt sich meist sehr gut auf die Verdauung aus. Bei sehr kälteempfindlichen Tieren sollte Pfefferminze eher nicht verwendet werden bzw. nicht bei Problemen, die aufgrund von zu viel Kälte entstehen. Hitzige Pferdegemüter hingegen, kühlt die Pfefferminze zusätzlich etwas ab.

Krämpfen vorbeugen: Fenchel, Pfefferminze, Gänsefingerkraut, Frauenmantel, Lavendel…
Die oben genannten Kräuter können gegeben werden, wenn Ihr Pferd zu Krampf-Koliken tendiert. Allerdings nicht durchgehend, sondern immer nur kurweise, in sensiblen Phasen.

Verdauungsfördernd: Löwenzahnkraut- und -wurzel, Artischocke, Hopfen, Pfefferminze, Kümmel, Leinsamen, Flohsamen, …
Verdauungsfördernde Kräuter sind dann angebracht, wenn ein Pferd zu Koliken aufgrund von Verstopfungen neigt. Verstopfung ist allerdings auch meist ein Symptom für eine Fütterung von nicht-artgerechten Futtermitteln, welche die Verdauungsleistung beeinträchtigen wie z.B. Heulage.

Abführende Pflanzen wie Aloe Vera, Faulbaum, Rhabarber etc. sind hochgefährlich. Füttern Sie bitte keine typisch abführenden Pflanzen!

Wenn der Magen die Ursache der Kolik ist: Kamille, Eibisch, Melisse, Malve, Leinsamen, …
Pferde mit Magenbeschwerden wie Übersäuerung, Gastritis (Magenschleimhautentzündung), Magengeschwüren usw. neigen ebenfalls zu Koliken. Erkennen können Sie Magenbeschwerden meist an einem oder mehreren der folgenden Symptome: Fressunlust, Leerkauen, Metalllecken, viel Gähnen etc. Schleimstoffhaltige Pflanzen wie Eibisch, Malve und Leinsamen müssen immer gesondert von anderen Kräutern, Futterergänzungen, Mineralfuttern und Medikamenten gefüttert werden, da die Schleimstoffe eine Aufnahme anderer Stoffe behindern können.

Wenn der Kot zu dünn ist: Walnussblätter, Brombeerblätter, Frauenmantel, Gänsefingerkraut, …
Rein symptomatisch wirken alle gerbstoffhaltigen Pflanzen, indem sie dem Kot Wasser entziehen. Auch Heilerde, medizinische Kohle und Vulkangesteinspräparate funktionieren auf diese Art und Weise. Außer einer zusätzlich entzündungshemmenden Wirkung bei den gerbstoffhaltigen Pflanzen, können alle diese Stoffe allerdings nichts an der Ursache ändern. Hier muss man Ursachenforschung betreiben, wenn man einer Kolik vorbeugen möchte. Dies ist am effektivsten durch eine Kotprobe und eine Blutprobe. Denn so ließe sich eine Fehlbesiedelung im Darm (Darmflora) feststellen und organische Ursachen (ausschließen). Ist die Darmflora in Ordnung und auch das Blut, bleibt einem nur noch der Kräuter-Test: Hierzu geht man alle möglichen Ursachen mit den entsprechenden Kräutern einmal durch (je Ursache mindestens 2 Wochen), bis sich eine Besserung einstellt. Durch die Besserung lassen sich dann Rückschlüsse auf die Ursache ziehen. Wenn Sie z.B. eine Besserung bei der Gabe von Magenkräutern erreichen, wissen Sie, dass der Magen als Ursache wahrscheinlich ist und können dann die Behandlung zielgerichtet starten. Meist macht es Sinn, als erstes den Stoffwechsel zu testen – da die meisten Pferden hier ein Problem zu haben scheinen.

Quellen / verwendete Literatur

  • Bender, Ingolf (2000): Praxishandbuch Pferdefütterung. Stuttgart: Kosmos Verlag.
  • Blobel, Karl (2010):Telefoninterview mit Dr. Karl Blobel, Tierarzt in Ahrensburg, am 18. Mai 2011
  • Bührer-Lucke, Gisa (2010): Expedition Pferdekörper. Stuttgart: Kosmos Verlag.
  • Fritz, Christina (2012): Pferde fit füttern: Wie ich mein Pferd artgerecht ernähre. Schwarzenbek: Cadmos Verlag.
  • Meyer, Helmut und Coenen, Manfred (2002): Pferdefütterung. 4., erweiterte und aktualisierte Auflage. Berlin: Parey Buchverlag.
  • Rasch, Konstanze (2010) : Diagnose Hufrehe. Stuttgart: Müller Rüschlikon Verlag.
  • Schmidt, Romo und Häusler-Naumburger, Ulrike und Dübbert, Thomas (2002): Hufrehe. Vermeidung – Früherkennung – Heilung. Cham: Müller Rüschlikon Verlag.
  • The Laminitis Trust: http://www.laminitis.org/
  • Vervuert, Ingrid (2010): Telefoninterview mit Dr. Ingrid Vervuert, Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diäthetik der Veterinärmedizinischen Universität Leipzig am 19. Mai 2011.
  • Eigene Erfahrungen, Erfahrungen anderer Pferdehalter

Haftungsausschluss

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit und repräsentiert nur die der Autoren zum Zeitpunkt des Verfassens bekannten Methoden, Vermutungen und Fakten, und entbindet den Tierhalter weder von seiner Verantwortung seinem Tier gegenüber noch von seiner Pflicht, bei einem Veterinärmediziner vorstellig zu werden und sich eine Fachmeinung einzuholen. Wir übernehmen keinerlei Haftung.

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