Kolik-Prophylaxe beim Pferd

Die artgerechte Fütterung und Haltung, der Einsatz von Kräutern sowie die Behandlung ursächlicher Erkrankungen sind das A und O der Kolik-Prophylaxe. Aber ist das ausreichend? Was kann man prophylaktisch noch tun bzw. ist darüber hinaus noch etwas möglich? Es gibt viele Versprechen und Rezepte im Internet. Was davon ist brauchbar und was ist nur Märchen oder eine erfolgreiche Werbestrategie der Industrie? Im Folgenden gehen wir die gängigen Tipps, Hausmittel und Ideen einmal durch und schauen, was wir verwenden können und wovon man lieber die Finger lassen sollte.

Leinsamen / Flohsamen zur Kolik-Prophylaxe?

Leinsamen oder Flohsamen können zur Prophylaxe gegen Kolik beitragen, sind allein aber meist nicht ausreichend in ihrer Wirkung. Wichtig ist bei Leinsamen und Flohsamen vor allem die richtige Zubereitung: Sie sollten vor dem Füttern aufgegossen werden und quellen, da sie sonst im Verdauungstrakt quellen und dort zu einem Verschluss führen können. Verantwortlich für die „rutschende“ Wirkung der Samen sind vor allem die darin enthaltenen Schleimstoffe. Darum sollte man nur braune Leinsamen verwenden (keine gelben) und nur solche Samen, die Arzneibuch-Qualität haben. Denn nur diese Qualitätsstufe garantiert einen Mindestgehalt an Schleimstoffen.
Da Schleimstoffe auch Nebenwirkungen haben (sie kleiden die Schleimhäute im Verdauungstrakt aus und behindern so die Aufnahme von Nähr- und parallel gegebenen Wirkstoffen), sollten diese nie dauerhaft gefüttert werden (maximal 4 Wochen am Stück) und nicht häufiger als 1 x am Tag. Außerdem müssen Lein- und Flohsamen sowie Mash getrennt von allen anderen Stoffen gefüttert werden, von denen Sie sich eine Wirkung erhoffen (Medikamente, Kräuter, Futterergänzungen, Mineralstoffe etc.). Es sollten mindestens 2 Stunden dazwischen liegen – gerne mehr. Idealerweise gibt man darum Leinsamen oder Flohsamen mit einer Sondermahlzeit abends als Letztes.

Heilerde & Vulkangestein zur Kolik-Prophylaxe?

Heilerde und Vulkangestein-Produkte werden gern als „Entgiftung“ verkauft. Diese Formulierung führt allerdings in die Irre. Denn beide saugen lediglich die Giftstoffe auf, die sich zum Zeitpunkt der Fütterung im Darm befinden. Sobald Heilerde oder Vulkanpulver ausgeschieden sind, ist es mit dieser „Entgiftung“ vorbei. Weiterhin handelt es sich hierbei um eine passive Entgiftung (Aufnahme dessen was im Darm gerade vorhanden ist) und nicht um eine aktive Entgiftung (Ausleitung aller Giftstoffe aus dem ganzen Körper). Für eine aktive Entgiftung müsste man anhand von Kräutern die Entgiftungsorgane (Leber, Niere, Darm, Haut, Lunge) anregen und reinigen.
Heilerde & Vulkangestein kann also hilfreich sein, wenn akut Giftstoffe aufgenommen wurden oder um zu viel Flüssigkeit im Darm zu binden z.B. bei Durchfall und Kotwasser. Koliken beugen beide Hausmittel allerdings nicht vor.

Energielevel im Gras bedenken

Immer wenn das Gras zu sehr unter Stress gerät, bildet es deutlich mehr Fruktan aus als ohnehin schon. Verdauungsempfindliche Pferde können darauf mit Koliken reagieren, vor allem, wenn sich weitere Faktoren zusammen finden. Es ist darum wichtig, vor der Weide und danach energiearmes Heu anzubieten und in Zeiten, in denen sich besonders viel Fruktan im Gras befindet, die Weidezeiten zu verkürzen.

Hoher Fruktangehalt im Gras bei:

  • Kalten Nächten & sonnigen Tagen
  • Langen Dürreperioden
  • Sehr kurz gefressenem Gras
  • Frisch gemähtem Gras

Frisch gemähtes sollte sowieso nie gefüttert oder gefressen werden.
Auch der Zeitpunkt des Heuschnitts sollte auf die Fruktanmenge im Gras Rücksicht nehmen.

Richtig anweiden zur Kolik-Prophylaxe

Umstellungen auf andere Nahrung ist für Pferde immer heikel. Besonders die Umstellung von sehr rohfaserhaltigem Raufutter wie Heu im Winter auf die bei uns meist sehr fette und sehr wasserhaltige Weide im Sommer. Die Futter-Umstellung fordert Hochleistungen vom Verdauungstrakt. Die Gefahr von Problemen ist darum sehr groß.

Darum gilt bei Pferden grundsätzlich, aber beim Anweiden insbesondere: Futterwechsel sollten sehr vorsichtig, sehr langsam und allmählich vollzogen werden. Dabei beginnt man mit 10 Minuten Weide pro Tag und steigert im Idealfall jeden Tag um 5 Minuten bis man bei der gewünschten Weidedauer angekommen ist.

Ist dies geschafft, vergessen viele Pferdehalter, dass dieses Prozedere auch bei einem Weidewechsel vollzogen werden muss, besonders wenn von einer stark abgefressenen auf eine hochgewachsene, fette Weide gewechselt wird. Auch ein Weidewechsel muss schrittweise und vorsichtig vollzogen werden.

In beiden Fällen können verdauungsfördernde, blähungswidrige und entgiftende Kräuter die Anpassung für das Pferd erleichtern.

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Wetterumschwüngen die Macht nehmen

Manche Pferde reagieren auch mit Koliken auf Wetterumschwünge. Meist aber nur solche Pferde, deren Organismus allgemein geschwächt ist. Wir nehmen also den Wetterwechseln die Macht, indem wir das Pferd allgemein fit und gesund halten (durch artgerechte Ernährung und Haltung, Kräuter, Wurmkontrolle, regelmäßige Gesundheitschecks, Stressreduktion, pferdegerechter Trainingsplan etc.). Stabile, gesunde Pferde reagieren selten mit Koliken auf Wetterwechsel.

Auch richtig zu reiten dient zur Kolik-Prophylaxe

Kein Witz. Der Pferdekörper ist für 16 Stunden Schritt gehen und kurze Sprints ausgelegt. Wenn wir die „Sprints“ beim Reiten ausweiten, indem wir viel Trab und Galopp reiten, wird der Verdauungstrakt schlecht durchblutet. Dies kann die Verdauung erheblich beeinträchtigen und bei Vorliegen anderer Faktoren auch zu Koliken, Magengeschwüren, Gastritis etc. führen. Viele Schrittphasen sind also einem Kolik-empfindlichen Pferd sehr zuträglich (und allen anderen natürlich auch).

Quellen / verwendete Literatur

  • Bender, Ingolf (2000): Praxishandbuch Pferdefütterung. Stuttgart: Kosmos Verlag.
  • Blobel, Karl (2010):Telefoninterview mit Dr. Karl Blobel, Tierarzt in Ahrensburg, am 18. Mai 2011
  • Bührer-Lucke, Gisa (2010): Expedition Pferdekörper. Stuttgart: Kosmos Verlag.
  • Fritz, Christina (2012): Pferde fit füttern: Wie ich mein Pferd artgerecht ernähre. Schwarzenbek: Cadmos Verlag.
  • Meyer, Helmut und Coenen, Manfred (2002): Pferdefütterung. 4., erweiterte und aktualisierte Auflage. Berlin: Parey Buchverlag.
  • Rasch, Konstanze (2010) : Diagnose Hufrehe. Stuttgart: Müller Rüschlikon Verlag.
  • Schmidt, Romo und Häusler-Naumburger, Ulrike und Dübbert, Thomas (2002): Hufrehe. Vermeidung – Früherkennung – Heilung. Cham: Müller Rüschlikon Verlag.
  • The Laminitis Trust: http://www.laminitis.org/
  • Vervuert, Ingrid (2010): Telefoninterview mit Dr. Ingrid Vervuert, Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diäthetik der Veterinärmedizinischen Universität Leipzig am 19. Mai 2011.
  • Eigene Erfahrungen, Erfahrungen anderer Pferdehalter

Haftungsausschluss

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit und repräsentiert nur die der Autoren zum Zeitpunkt des Verfassens bekannten Methoden, Vermutungen und Fakten, und entbindet den Tierhalter weder von seiner Verantwortung seinem Tier gegenüber noch von seiner Pflicht, bei einem Veterinärmediziner vorstellig zu werden und sich eine Fachmeinung einzuholen. Wir übernehmen keinerlei Haftung.

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